Sonntag, 10. Juli 2011

Schnittmustererstellung für einen schwingenden Rock

Zuerst einmal möchte ich mich bei Euch allen für das überwältigende Feedback zu meinem Tellerrock danken! Ich war so überrascht dass dieser eigentlich doch total einfache Rock so einen großen Beifall bei Euch erzeugen konnte - und hab mich natürlich tierisch darüber gefreut!

Dafür möchte ich Euch heute danken!
Ihr wisst jetzt ja schon, wie Ihr einen Tellerrock erstellen könnt, aber vielleicht möchtet Ihr noch einen weiteren schwingenden Rock haben, für die Zeit wenn Euer Tellerrock mal wieder ein paar Runden in der Waschmaschine notwendig hat? Falls Euch mein schwingender Sommerrock gefallen hat, dann lest hier einfach nur weiter - und schon könnt Ihr Euch selbst so einen Rock nähen.
Ich selbst hatte das Schnittmuster übrigens auf Basis eines gekauften Rockes erstellt. Und: Klick auf die Bilder macht sie groß!



Zuerst einmal eine Erklärung wie der Rock selbst aufgebaut ist:
er besteht aus einem Überrock, der oben an der Taille mit einem Unterrock verstürzt ist. Der Überrock besteht aus zehn gleichen Bahnteilen. Der Unterrock besteht aus einem Bund (2 Teile), vier Bahnen und einem ewig langen Rüschenstreifen.



Ihr müsst also nur drei Schnittmusterteile erstellen.



Für die Rüschen des Unterrocks könnt Ihr einfach einen Streifen von etwa 13 cm (plus Nahtzugaben) Breite und, je nach gewünschtem Volumen, etwa 4 Metern Länge zuschneiden. (Die vier Unterrockbahnen ergeben unten einen Gesamtumfang von etwa 2 Metern.) Dieser Streifen kann natürlich auch aus mehreren Stücken zusammengesetzt werden.

Hier habe ich Euch mal eine Collage der im Folgenden gezeigten Schnittmusterzeichnungen mit den original Schnittmusterteilen erstellt. Die Größe des verwendeten Schreibblocks entspricht etwa DinA4. Den Bund konnte ich 1 zu 1 abzeichnen, die anderen Schnittteile habe ich mit halbem Maßstab frei Hand aufgezeichnet - das solltet Ihr also auch können ;-). Ich fürchte jedoch, dass es durch die Fotografierwinkel wenig Sinn macht, die Bilder als Schnittmuster auszudrucken. Leider habe ich keinen Scanner zur Verfügung. Für den Bund findet Ihr aber weiter unten noch einen kleinen Trick.

Übrigens: alle meine Angaben enthalten keine Nahtzugaben!



Schauen wir uns also als erstes den Überrock an:



Oben haben wir eine gerade Linie. Bei diesen kleinen Teilstücken muss die Bundlinie an dieser Stelle nicht abgerundet werden. Nehmt für dieses erste Maß den gewünschten Taillenumfang und teilt ihn durch 10. In meinem Fall hatte ich 7,5 cm genommen, also 75 cm Umfang - bei mir sitzt der Rock dadurch ein bißchen hüftig.
Nun durch die Mitte dieser Linie eine Senkrechte nach unten ziehen. In meinem Fall ist der Rock 51 cm lang. Unten ebenfalls wieder eine waagerechte Linie malen. Hier ist dann die gewünschte Breite vermittelt anzuzeichnen (in meinem Fall also 33,8cm). Die beiden äußeren Punkte sind jeweils von den oberen Eckpunkten aus im Abstand der Rocklänge anzuzeichnen. Zwischen den äußeren Punkten über den Mittelpunkt kann nun ein schöner Saumbogen gezeichnet werden. Dieser Bogen kann auch tiefer gezogen werden um einen Blütenblatteffekt zu erzielen.
Ich habe nun ein weiteres Maß (16cm) im Abstand von 20 cm von der oberen Kante angezeichnet, damit der Rock über den Hüften nicht versehentlich zu schmal wird. Nun also eine schöne schwungvolle Linie jeweils durch diese drei Punkte Zeichnen.
Dieses wird nun grob ausgeschnitten, an der Mittellinie gefalzt und dann einem symmetrischen Feinschliff unterzogen.

Kommen wir nun zum Unterrock. Zuerst das Rockteil:



Damit das Schnitteil auf meinem Block Platz hat, habe ich es einfach nochmal halbiert. Hier sehr Ihr also ein Achtel des Unterrockes. Ich denke, nach der Konstruktion des Überrockes dürfte Euch das jetzt nicht mehr schwer fallen. Im Unterschied zum Überrock sind hier jedoch die Seitennähre ganz gerade, ebenso wie dieses Mal auch oben eine leiche Rundung eingearbeitet wird. Wenn Ihr das nicht ganz gleichmäßig hinbekommt, ist es jedoch nicht so schlimm, da es sich ja hier nur um den Unterrock handelt. Auch hier wieder: nach dem Aufzeichnen grob ausschneiden, an der Mittellinie falten und dann nochmal sauber ausschneiden. Dieses Schnittteil ist nun entweder nochmal im Bruch aus dem Schnittpapier auszuschneiden, oder dann entsprechend aus dem Stoff.

Und nun zum nicht wirklich einfach erklärbaren Bundteil:



Also, Ihr könnt das hier irgendwie versuchen abzuzeichnen, könnt einen Bund von einem anderen Rockschnitt übernehmen - oder einfach das Rockteil des Unterrockes entsprechend um 6cm nach oben "verlängern". Dazu nehmt Ihr die fertige Viertel-Bahn, legt sie auf ein Stück Papier, und zeichnet erstmal den oberen Bogen auf. Nun werden die Seitenlinien nach oben hin um 6cm verlängert. Nun zeichnet Ihr an mehreren Stellen noch den Abstand 6cm vom Bogen her nach oben an und verbindet diese Punkte zu einem schönen Bogen. Jetzt das Bundstück grob ausschneiden, in der Mitte falten, symmetrischer Feinschliff wie gehabt. Das ist nun also ein Viertelbund, muss also entweder nochmal als halber Bund aus dem Schnittmusterpapier herausgearbeitet werden, oder dann eben aus dem Stoff im Bruch ausgeschnitten werden.

Fertig ist Euer Schnittmuster!

Ihr fragt, wie Ihr es nähen sollt?

Eigentlich ist das relativ einfach:
Alle Überrockbahnen an den Seitennähten zusammenfügen, den Reißverschluss nicht vergessen.
Je zwei Unterrockbahnen an den Seitennähten zusammenfügen, dann je ein Bundteil oben annähen. Jetzt können die beiden Unterrockhälften zusammengefügt werden. Dabei bitte beachten, dass in eine Seitennaht später noch der Reißverschluss eingefügt werden können muss.
Jetzt Über- und Unterrock an der Taillennaht verstürzen und knappkantig absteppen. Nun kann der Unterrock am Reißverschluss fixiert werden.
Den Rüschenstreifen säumen, und gerüscht an den Unterrock annähen. Dazu habe ich hier eine tolle Beschreibung gefunden: über die gesamte Länge des Rüschenstreifens innerhalb des breitesten Zick-Zack-Stichs einen Faden, z.B. Häkelgarn mitführen und den Stoff dann später mithilfe dieses Garns kräuseln.
So, jetzt ist nur noch der Saum des Oberrocks zu säumen (mein Stoff, ein leichter Batist, war so dünn, dass ich alle Säume einfach als Rollsaum gearbeitet habe - und bei festeren Stoffen wäre vielleicht Schrägband geeignet), und schon könnt auch Ihr unter dem Rasensprenger rumhüpfen!



Wenn Euch meine Anleitung gefällt, oder Ihr auch Verbesserungsvorschläge habt, freue ich mich auf jeden Fall über Eure Rückmeldungen. Und wenn Ihr dann wirklich selbst einen solchen Sommerrock geschneidert habt - meldet Euch doch bitte, denn ich bin echt neugierig, was Ihr daraus macht!

*****

PS: Mir ist klar, dass meine Erklärungen nicht unbedingt anfängertauglich sind. Wenn Ihr es wünscht, kann ich aber gerne nochmal eine bessere, bebilderte Nähanleitung erstellen, denn ich denke, dass ich mir ohnehin irgendwann nochmal so einen Rock nähen möchte.
Ich kann Euch auch anbieten, Euch das Schnittmuster in Papierform, vielleicht sogar auf Eure Maße angepasst, zukommen zu lassen - Ihr könnt mir ja was Schönes oder Nützliches zum Tausch anbieten.

Kommentare:

Fräulein Glückspilz hat gesagt…

Wow!Verena!
Was hast du dir für eine Arbeit gemacht mit der Erklärung! Super... dankeschööön!
Er sieht aber auch super aus dein Rock! "Hut ab!" ;-)

Hab einen schönen Tag!
Gruß
nicole

Nähnädelchen hat gesagt…

Vielen Dank für die tolle und ausführliche Sommerrockanleitung. Vielen Dank, dass Du dir soviel Mühe gemacht hast.
Ich bin begeistert ... wenn ich doch zur Zeit nur nicht so viele offene Projekte hätte. Wer weiß, vielleicht schaffe ich es doch irgendwann.

Lieber Gruß, Muriel

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